Mittwoch, 07 Januar 2026 12:04

Klage gegen FIDE-Beschlüsse

Rechtsstreit im Weltschach nach umstrittenen Beschlüssen der FIDE-Generalversammlung. Rechtsstreit im Weltschach nach umstrittenen Beschlüssen der FIDE-Generalversammlung. Foto: Pexels / Lizenz: Pexels

Der internationale Schachsport steht vor einer juristischen Auseinandersetzung. Mehrere nationale Verbände haben formell reagiert. Sie sehen grundlegende Verfahrensfehler. Im Zentrum steht die Rückkehr russischer und belarussischer Teams zu großen Wettbewerben. Der Konflikt betrifft Flagge, Hymne und die Teilnahme an Mannschaftsturnieren, wie sie auch bei internationalen Großereignissen üblich sind.

Inhaltsverzeichnis:

Internationaler sportgerichtshof CAS Schweiz

In der Nacht von Montag auf Dienstag reichten fünf Schachverbände Klage beim Internationalen Sportgerichtshof CAS in der Schweiz ein. Beschwerdeführer ist der Ukrainische Schachverband. Unterstützt wird er vom Englischen Schachverband, Estnischen Schachverband, Norwegischen Schachverband und vom Deutschen Schachbund. Ziel ist die Überprüfung der Beschlüsse der Mitgliederversammlung des Weltverbandes FIDE. Solche juristischen Auseinandersetzungen haben im Schach bereits früher Aufmerksamkeit erregt, mehr dazu hier. Die Klageschrift wurde fristgerecht eingereicht.

FIDE Generalversammlung 14. Dezember

Die entscheidende Sitzung fand am 14. Dezember statt. Sie verlief turbulent. Nach Angaben mehrerer Verbandsvertreter wurde das Versammlungsrecht mehrfach missachtet. Die Online-Vollversammlung arbeitete mit geheimer Abstimmung. Das ist laut Regularien nur bei Wahlen, Misstrauensanträgen und Olympiade-Vergaben zulässig. Trotzdem stimmten 61 Verbände für den Antrag des russischen Schachverbands, 51 dagegen. Bei Jugendturnieren sind russische Nationalsymbole bereits wieder erlaubt. Ob dies auch für internationale Wettbewerbe erwachsener Athleten gilt, sollte mit dem IOC abgestimmt werden. Vergleichbare organisatorische Prozesse wurden zuletzt auch bei Entscheidungen des Deutschen Schachbundes intensiv diskutiert.

Arkady Dvorkovich FIDE-Präsident

Die Weichen stellte FIDE-Präsident Arkady Dvorkovich, seit 2018 im Amt. Kritiker verweisen auf seine Rolle während der Versammlung. Ihm wird vorgeworfen, seine Neutralitätspflicht verletzt zu haben. Hinzu kamen formale Mängel. Die Tagesordnung wurde erst am 12. Dezember geändert, obwohl eine Vier-Wochen-Frist gilt. Zudem ordnete die Versammlungsleitung eine geheime Abstimmung an, obwohl die FIDE-Charta eine öffentliche vorsieht. Mehrere Delegierte erhielten kein Rederecht.

Internationales olympisches komitee IOC

Die Haltung des Internationalen Olympischen Komitees ist eindeutig. Russland und Belarus bleiben wegen des anhaltenden Angriffskrieges gegen die Ukraine von der Rückkehr als Sportnationen ausgeschlossen. Eine Teilnahme an den Winterspielen 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo ist nur für Einzelathleten unter neutraler Flagge möglich. Gleiches galt für die Sommerspiele 2024 in Paris. Die FIDE verfolgt einen abweichenden Kurs. Das betrifft auch internationale Mannschaftswettbewerbe, wie sie etwa bei der Mannschafts-Schachweltmeisterschaft ausgetragen werden.

Abstimmungen und Beschlusslage

Die Generalversammlung fasste mehrere weitreichende Entscheidungen. Dazu zählen

  • die Aufhebung aller bestehenden Beschränkungen gegen Russland und Belarus
  • die Zulassung nationaler Symbole bei FIDE-Veranstaltungen
  • die uneingeschränkte Teilnahme an Einzel- und Mannschaftswettbewerben

Ein erster Antrag zur vollständigen Aussetzung der Sanktionen wurde mit 54 Prozent angenommen. Danach stimmten 60 Prozent für Gespräche mit dem IOC. Diese widersprüchliche Beschlussfolge ist ein Kernpunkt der Kritik.

Weitere Schritte vor dem CAS

Der Internationale Sportgerichtshof wurde 1984 gegründet. Er entscheidet durch Schiedsverfahren und Mediation. Solche Verfahren können lange dauern. DSB-Präsidentin Ingrid Lauterbach erklärte wörtlich: „Es wäre unseriös, eine Zeitangabe zu machen. Wir können nun hoffen, dass wir möglichst schnell eine Entscheidung bekommen, zumal dieser Fall ja eine gewisse Dringlichkeit hat.“ Die fünf Verbände beantragen die Aufhebung und Nichtigerklärung der angefochtenen Beschlüsse. Sie sehen erhebliche Verfahrensmängel und offensichtliche Interessenkonflikte.

Quelle: DEUTSCHER SCHACHBUND, EXTRATIMEOUT

FAQ

Wer hat die Klage gegen die FIDE eingereicht?

Die Klage wurde vom Ukrainischen Schachverband eingereicht und vom Englischen Schachverband, Estnischen Schachverband, Norwegischen Schachverband sowie vom Deutschen Schachbund unterstützt.

Worum geht es in dem Verfahren vor dem CAS?

Gegenstand des Verfahrens sind Beschlüsse der FIDE-Generalversammlung zur Wiederzulassung russischer und belarussischer Mannschaften mit Flagge und Hymne bei internationalen Turnieren.

Welche Rolle spielt der Internationale Sportgerichtshof CAS?

Der Internationale Sportgerichtshof CAS prüft die angefochtenen Entscheidungen und entscheidet durch ein Schiedsverfahren über deren Rechtmäßigkeit.

Welche Verfahrensmängel werden der FIDE vorgeworfen?

Kritisiert werden unter anderem eine rechtswidrige geheime Abstimmung, kurzfristige Änderungen der Tagesordnung sowie eine mögliche Verletzung der Neutralitätspflicht des FIDE-Präsidenten.

Wie ist die Haltung des Internationalen Olympischen Komitees?

Das Internationale Olympische Komitee verweigert Russland und Belarus weiterhin die Rückkehr als Sportnationen und erlaubt nur die Teilnahme einzelner Athleten unter neutraler Flagge.

Wann ist mit einer Entscheidung des CAS zu rechnen?

Ein konkreter Zeitpunkt ist nicht bekannt, da Verfahren vor dem CAS auch über einen längeren Zeitraum andauern können.